Kulturwandel im Golfsport
Der Golfsport hat sich in Deutschland seit nunmehr 100 Jahren als Elitesport etabliert. Weltweit und speziell in Deutschland öffnet sich der Sport seit Herbst 2009 den Menschen wie nie zuvor. Die Zugänge zu Clubs werden erleichtert, die Vereinigung clubfreier Golfer (VcG) organisiert die überregionale Spielmöglichkeit. Apps für Mobiltelefone informieren über Plätze und unterstützen das Spiel auf dem Platz.
Ein kulturhistorischer Wandel? Kulturhistorisch distanzierten sich Gesellschaftsschichten schon immer voneinander. Sei es durch Tischkultur, Sport oder andere Lebensgewohnheiten und Statussymbole. Der Golfsport bewahrte sich 100 Jahre lang ein elitäres Image. Nun, da sich der Sport der Allgemeinheit öffnet, wird Experten und Verbänden bewusst, dass es wichtig ist, den eigentlichen Wert, den Spirit des Sports deutlich zu machen.
Experten erklären, warum der eigentliche Golfsport sehr viel mehr ist, als ein schicker Elitesport – sie erklären den 'spirit of the game'. Bereits Ende 2009 begann ein Wandel. Die Annäherung der Massen an den Golfsport, der Einzug des Sports in den selbstverständlich werdenden sportlichen Alltag. Und, sehr wesentlich, die engere Verbindung des Sports mit dem beruflichen und privaten Leben durch das Angebot stadtnaher und business-naher Anlagen, Golf-Ranges und Indoor-Spielmöglichkeiten. Ein qualitativer Zivilisationsprozess (vgl. z.B. Elias; Müller, U. S. 128 ). Die Überwindung der Schwelle des Luxusguts zum Massengut hat nun auch den Golfsport erreicht. Er entwickelt sich zu einem 'selbstverständlichen' und wichtigen Kulturgut, gekrönt durch die Deklarierung zur erneuten olympischen Disziplin nach gut 100 Jahren. Nun engagieren sich Experten und Verbände dafür der Gesellschaft das Wesen des Sports deutlich zu machen.

- Tony Bennett (PGA of Europe)
Was macht diesen Sport aus? Was lernt ein Mensch wenn er Golf spielt? Diese Frage beantwortet sehr ausführlich ein Mann der jahrzehntelange Erfahrung mit dem Lernen und Lehren des Golfspiels weltweit hat: Tony Bennett, Direktor der PGA Education of Europe , der Vereinigung der Golftrainer weltweit:
"Menschen lernen den Respekt vor Lebenskompetenzen, dem Sport, den Mitspielern, vor sich selbst und dem eigenen Körper. Respekt ist ein wichtiges Thema. Respekt und Selbstverantwortung". Und, ergänzt Bennett, "zwischenmenschliche Kommunikation, Aufrichtigkeit und persönliche Integrität". Golfsport, so Bennetts Meinung ist eine wunderbare Möglichkeit eine ganze Generation positiv zu beeinflussen. Demzufolge ist Golfsport ein Kulturgut, das sich seit gut eineinhalb Jahren in einer stetigen Öffnung für die Massen befindet. Es entwickeln sich kreative Formen des Spiels: Streetgolf, Crossgolf und kürzere Spielzyklen für Menschen, die häufiger spielen möchten und meist aus berufliche Gründen nicht sehr viel Zeit zur Verfügung haben. Verbände sind gefordert sich zu positionieren, neue Strömungen zu integrieren aber auch Grenzen zu setzen. Diese Bewegung bewirkt, dass sich Verbände und Experten auf die eigentlichen Werte des Sports, den eigentlichen Spirit besinnen. Dieser Gedanke ging in den letzten Jahren, geprägt von technologischen Entwicklungen, die die Leistungsfähigkeit des Golfers steigern, im allgemeinen Kommerz – Golfsport ist ein lukrativer Wirtschaftszweig und Golfer gelten allgemein als kaufkraftstarke Klientel – der Golfsportwirtschaft unter.
Bennett vergleicht Golfsport mit Fußball. Er vergleicht das, was Kinder beim Sport erleben und lernen:
Sich Vorteile ertricksen, Foulen, Schreien und das Beschimpfen des Schiedsrichters, wie es im Fußball üblich ist, ist dem Golfsport völlig fremd: "we dont do this in golf", so Bennett. Golfsport setzt andere Akzente. Er hält es für besonders wichtig, dass mehr Menschen den Unterschied dieser Sportarten erleben. Er ist der Meinung, dass Golf ein wunderbares Lernfeld für Kinder ist. Dabei ist die erste Begegnung mit dem Sport seiner Meinung nach besonders wichtig, denn den ersten Eindruck, den ein Kind mit nach Hause nimmt, nachdem es das erste Mal Golf gespielt hat, hält er für bedeutend. Auch deshalb ist er davon überzeugt, dass Golf-Trainer am meisten lernen, wenn Sie mit Kindern und Anfängern arbeiten.
Golf ist ein Sport, den Menschen sozusagen von der Wiege bis zum Grab ausüben können. Altersbegrenzungen gibt es eigentlich keine. Endlich werden in Deutschland auch die Kinder als potentielle Golfer und der Golfsport als eine Möglichkeit entdeckt, Impulse zu geben und die Persönlichkeit zu entwickeln. Mit dem Schulgolf-Programm "Abschlag Schule" fördert der Deutsche Golfverband (DGV) bereits seit den 1990er Jahren das Golftraining in Schulen der Sekundarstufe. Landesverbände wie beispielsweise der Bayerische Golfverband (BGV) und die Vereinigung clubfreier Golfer (VcG) ergänzen die Förderung des Golf-Trainings an Schulen. Dazu gehört das Sponsoring von Equipment und Trainern, die vor Ort und teilweise auch auf Golfplätzen mit den Schülern trainieren. Das 2008 gestartete Schulgolfprogramm des BGV richtet sich an Kinder der dritten und vierten Klasse von bayrischen Ganztagsschulen. Das ergänzende Programm 'Birdies – Mit Werten zum Erfolg', ein Programm für Kinder und Jugendliche zur Entwicklung ihrer Persönlichkeit durch die Vermittlung der sieben Grundwerte Bescheidenheit, Inneres Selbstvertrauen, Respekt, Durchhaltevermögen, Integrität, Eigenverantwortung und Spaß durch den Golfsport, hebt den kulturellen Wert des Golfens hervor. Die Projekte verfolgen die Zielsetzung Kinder und Jugendliche aller Schichten möglichst früh an den Golfsport heranzuführen und auch benachteiligten Kindern das Golftraining zu ermöglichen. "Dabei entstehen auch wichtige Impulse für die eigene persönliche und berufliche Entwicklung" betont Heidrun Klump , Geschäftsführerin des Bayerischen Golfverbands. Der Bayerische Golfverband beispielsweise ermöglichte zusammen mit Birdies for life e.V. einem Kind auf diesem Wege die Absolvierung der Platzreife und eine Clubmitgliedschaft. Der engagierte Junggolfer hat den Berufswusch Greenkeeper zu werden. "Der Transfer der Schüler, die am Schultraining teilnehmen in die Golfclubs ist nicht ganz einfach" kommentiert Michael Then , Bayerischer Golfverband. Der BGV hat sich das Ziel gesetzt, Golfsport als Schulsport an bayerischen Schulen zu etablieren und bildet auch Lehrer als C-Trainer aus. Begabte Schüler werden in die Kader 'Jugend Trainiert für Olympia' integriert. Auch Universitäten beginnen nun endlich vermehrt Golfsport als Uni-Sport anzubieten. Eine in Deutschland erstaunlich späte Entwicklung.
Nie war der Golfsport für junge Menschen so attraktiv wie heute. Nie zuvor öffnete sich dieser Sport derart den Interessierten. Und nie zuvor gab es weltweit derart viele junge erfolgreiche Profi-Golfer, wie in der aktuellen Saison 2010/11.
Als Besonderheit des Golfsports bezeichnet Bennett – nein – nicht die Technik, sondern das mentale Training. Bennett erklärt warum: "zum mentalen Training gehört die Übernahme der Verantwortung für das, was du tust. Wenn Du ein Gefangener anderer Menschen und deren Einfluss bist", antwortet er, "ist es schwierig vorwärts zu kommen. Wenn du verstehst, dass du für das was du tust verantwortlich bist, kannst du dich weiterentwickeln". Dies gilt für die Entwicklung auf und außerhalb des Golfplatzes. Der Umgang mit schlechten Schlägen ist auch beruflich wichtig. Beim Golfen trainierst du nicht aufzugeben, dich nach vorne, auf die Fahne zu konzentrieren, egal, wie der letzte Schlag war. Eine Kraft die im beruflichen- und wirtschaftlichen Leben erfolgs- und oft sogar lebenswichtig ist.

- Paul Dyer (David Leadbetter Golf Academy)
Paul Dyer Senior Director of Instruction Europe der Leadbetter Golf Academy, der weltweit besten Golfschule, betont die Bedeutung des 'Spirit of the Game'. Dieser Spirit ist für jeden etwas anderes, deshalb ist es wichtig, die Menschen zu fragen, warum sie Golf spielen. Wir Trainer haben die Aufgabe und Chance, bereits beim Platzreifetraining zu vermitteln was diesen Sport ausmacht. Wer herausragende Spieler sind und dass Aufrichtigkeit zu sich und anderen und Verantwortung diesen Sport und somit auch die Golf-Persönlichkeiten prägen. Dadurch haben die Neugolfer die Chance, den Zugang zum eigentlichen Wesen des Golf-Sports zu finden. Paul Dyer betont: "deshalb sage ich zu Kollegen: ein paar Schläge weniger und etwas mehr Inspiration beim Platzreifetraining sind wichtig". Dyer weist auf Vision54 hin, zwei Trainerinnen, die den ganzheitlichen Gedanken des Golfspiels in das Training einfließen lassen.
Regierungen weltweit scheuen sich, Gelder für einen Sport auszugeben, der immer noch als Elitesport gilt. Wenn es gelingt, den eigentlichen kulturellen Wert des Golfsports deutlich zu machen, wird sich die Aufmerksamkeit stärker auf die Verbreitung dieses Sports und seine Förderung richten. Ei Sport, der zur Entwicklung von Fähigkeiten und Eigenschaften beiträgt, die von Menschen in einer mobilen globalen Gesellschaft erwartet werden.
Golfsport, ein Kulturgut, das nun vielen zugänglich wird. Es gibt Leute, die behaupten: Golf is not a sport, it is a life
© Elke Kuehnle
Februar 2011
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